Das Wichtigste in Kürze
- Die EU gibt Ziele für den gesamten Wohngebäudebestand vor. Daraus folgt keine pauschale Komplettsanierung jedes einzelnen Hauses bis 2030.
- Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist inzwischen in Kraft. Laut Bundesregierung gelten die wesentlichen Neuregelungen seit dem 29. Juli 2026.
- Beim Eigentümerwechsel können konkrete Nachrüstpflichten greifen. Eine Zwei-Jahres-Frist beginnt nicht automatisch bei jedem Weiterverkauf neu.
- Ein erforderlicher Energieausweis gehört zur Verkaufsvorbereitung. Ausnahmen und der Zeitpunkt der Vorlage müssen geklärt sein.
Was die EU-Gebäuderichtlinie für Wohngebäude vorsieht
Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) trat am 28. Mai 2024 in Kraft. Für Wohngebäude verlangt sie von den Mitgliedstaaten einen nationalen Pfad zur Verringerung des durchschnittlichen Primärenergieverbrauchs: mindestens 16 Prozent bis 2030 und 20–22 Prozent bis 2035. Die Staaten entscheiden über die dafür geeigneten Gebäude und Maßnahmen. Für Nichtwohngebäude gelten andere Anforderungen. Erläuterung der EU-Kommission.
GModG: Was sich am deutschen Gesetzesstand geändert hat
Die frühere Aussage dieses Beitrags, das Gesetz sei noch im parlamentarischen Verfahren und werde erst Ende 2026 erwartet, ist überholt. Nach der Mitteilung der Bundesregierung vom 29. Juli 2026 wurde die Novelle am 28. Juli 2026 verkündet; ihre wesentlichen Neuregelungen gelten seit dem Folgetag. Das Gebäudeenergiegesetz wurde durch das Gebäudemodernisierungsgesetz abgelöst.
Ältere GEG-Checklisten können deshalb veraltete Bezeichnungen oder Paragraphen enthalten. Für eine Verkaufsentscheidung zählen die aktuelle Vorschrift, ihre Voraussetzungen und gegebenenfalls Übergangsregeln. Ein Gesetzeswechsel allein beantwortet noch nicht, welche Maßnahme an einem bestimmten Gebäude erforderlich ist.
Welche Pflichten beim Eigentümerwechsel zu prüfen sind
Eine pauschale Liste „nach jedem Hauskauf alles innerhalb von zwei Jahren erneuern“ ist zu ungenau. Insbesondere diese Punkte sollten anhand der Unterlagen und des Gebäudes geklärt werden:
- Oberste Geschossdecke oder Dach: § 35 GModG enthält Anforderungen an den Wärmeschutz sowie Ausnahmen. Die besondere Zwei-Jahres-Frist betrifft unter anderem Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen, bei denen eine Wohnung am 1. Februar 2002 vom Eigentümer selbst bewohnt wurde. Sie läuft ab dem ersten Eigentumsübergang nach diesem Datum.
- Ungedämmte Leitungen: § 69 GModG erfasst bestimmte zugängliche Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen in unbeheizten Räumen. Auch hier sind die Voraussetzungen der Eigentümerwechselregelung und der erste maßgebliche Eigentumsübergang entscheidend.
- Heizungsanlage: Die früher häufig zitierte Vorschrift § 72 GEG wird in der aktuellen Fassung als weggefallen geführt. Eine alte „30-Jahre-Regel“ sollte deshalb nicht ungeprüft übernommen werden. Lassen Sie die heute einschlägigen Anforderungen für Anlagentyp und geplante Arbeiten fachlich klären.
Für die Vorbereitung helfen Nachweise über Erwerbszeitpunkte, Nutzung, Dämmung, Heizungsanlage und bereits ausgeführte Arbeiten. Vorhandene Pflichten werden nicht dadurch erledigt, dass ein Verkauf geplant ist. Zuständigkeiten und offene Punkte sollten vor der Preis- und Vertragsentscheidung feststehen.
Energieausweis beim Verkauf: Vorlage, Übergabe und Ausnahmen
Liegt ein ausweispflichtiger Verkaufsfall vor, ist ein gültiger Energieausweis spätestens bei der Besichtigung vorzulegen; ohne Besichtigung ist er unverzüglich vorzulegen, spätestens auf Verlangen. Nach Abschluss des Kaufvertrags ist er unverzüglich zu übergeben. Das regelt § 80 GModG.
Es gibt Ausnahmen, unter anderem für kleine Gebäude und bestimmte Pflichten bei Baudenkmälern (§ 79 Absatz 4 GModG). Nicht jede Immobilie darf daher gleich behandelt werden. Verstöße gegen die bezeichneten Ausweis- und Angabenpflichten können nach § 108 GModG mit Bußgeld geahndet werden; die einschlägigen Tatbestände sehen bis zu 10.000 Euro vor.
Was das für Ihren Immobilienverkauf bedeutet
Für eine nachvollziehbare Preisstrategie sollten Gebäudestand, dokumentierte Maßnahmen und offene Fragen zusammengeführt werden. Ein pauschaler Abschlag nur aufgrund einer Effizienzklasse bildet den Einzelfall nicht ausreichend ab. Geeignete Marktdaten, Zustand und mögliche Aufwendungen müssen im Zusammenhang betrachtet werden.
- Welche energetischen Eigenschaften und Maßnahmen sind belegt?
- Welche offenen Fragen müssen Energieberatung oder zuständige Stelle klären?
- Welche Unterlagen benötigen Interessenten für ihre Entscheidung?
Den Verkaufsablauf und die Vorbereitung der Unterlagen erläutere ich unter Meine Maklerleistung. Eine persönliche Markteinschätzung ordnet die Immobilie im konkreten Markt ein.
Häufige Fragen zur Sanierungspflicht 2026
Ist die EU-Sanierungspflicht jetzt vom Tisch?
Gilt die Zwei-Jahres-Frist nach jedem Hauskauf?
Muss ich meine Immobilie vor dem Verkauf vollständig sanieren?
Brauche ich beim Hausverkauf einen Energieausweis?
Quellen und Aktualisierung
Amtliche Quellen geprüft am . Gesetzestext und europäische Vorgaben sind von der individuellen Prüfung Ihres Gebäudes zu unterscheiden.
- Bundesregierung: Gebäudemodernisierungsgesetz – wesentliche Neuregelungen seit 29.07.2026
- EU-Kommission: Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie und Ziele für den Gebäudebestand
- § 35 GModG: Nachrüstung eines bestehenden Gebäudes
- § 69 GModG: Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen
- § 72 GModG: bisherige Vorschrift weggefallen
- § 79 GModG: Grundsätze und Ausnahmen beim Energieausweis
- § 80 GModG: Ausstellung, Vorlage und Übergabe des Energieausweises
- § 108 GModG: Bußgeldvorschriften
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Markteinschätzung anfragenDieser Beitrag dient der allgemeinen Information (Stand: 29. Oktober 2026) und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung. Konkrete Pflichten, Ausnahmen und Übergangsregeln für Ihr Gebäude klären Sie mit einer Energieberaterin oder einem Energieberater beziehungsweise der zuständigen Stelle.